Die Crux der E-Books

Nachdem wir uns letzte Woche bereits mit der aktuellen Lage der Musikbranche beschäftigt haben, ist diese Woche ein anderer moderner Ableger einer der ältesten Unterhaltungs- und Bildungsformen dran: der Buchmarkt.

Laut einer aktuellen Studie der GfK, die für mehrere Branchenverbände erstellt wurde und einem Artikel über illegale Buch-Downloads von Spiegel-Online zugrunde liegt, klauen die Deutschen massivst online Bücher. Die Diskussion über Buchpiraterie kann also nahtlos an all die bereits geführten Diskussionen über Musikpiraterie anschließen. Oder besser gesagt: Sie könnte, wenn zwei Dinge nicht wären.

Erstens:

Glaubt man dem Spiegel-Artikel, sind die Daten der Studie zumindest zweifelhaft und werfen ein weit schlechteres Licht auf die Situation, als es möglicherweise angebracht wäre. Die wichtigsten Zahlen: Zwei Millionen Deutsche haben 2010 E-Books heruntergeladen. Knapp die Hälfte davon auf illegalem Wege. Dieses Ergebnis lässt sich aus einer Befragung von 10.000 Privatpersonen schlussfolgern. 14 Millionen von insgesamt 23 Millionen Büchern sollen bei nichtlegalen Anbietern heruntergeladen worden sein. Die Definition der Verbände von „illegal“ ist dabei jedoch höchst bedenklich. Augenscheinlich werden schon jene Downloads, die nicht kostenpflichtig waren, als illegal verbucht. Dass diese Herangehensweise Kokolores ist, beweist allein das deutschsprachige „Projekt Gutenberg“, auf dem über 5.000 Bücher verschiedenster Genres, alle gemeinfrei, kostenlos zur Verfügung stehen.

Desweiteren gehen die Zahlen der GfK, was die Nutzer von E-Boosk angeht, innerhalb mehrerer Studien weit auseinander. Als es im Jahr 2010 um die Umsätze der Branche mit E-Books ging (21,2 Millionen bei einem Absatz von 2 Millionen Büchern), war von 540.000 aktiven E-Book-Käufern die Rede. Wenn in der diesjährigen Studie von ca. 2 Millionen Nutzern gesprochen wird, von denen sich knapp die Hälfte die Produkte illegal beschafft, so bleiben immerhin noch doppelt so viele ehrliche Käufer übrig, wie sie in der Studie vom Vorjahr zu finden sind. Eine schlichte Verdopplung der Käuferzahlen ist schwer denkbar und so versucht auch die GfK die Diskrepanz mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden zu rechtfertigen. Außerdem muss noch etwas zu den illegalen Kopien der Bücher gesagt werden. Laut dem Spiegel handelt es sich bei vielen der als illegal verzeichneten Downloads wohl um studentische Fachliteratur. Ein Wertewandel hat dort keinesfalls stattgefunden. Früher wurden teure Fachbücher aufwändig kopiert und geheftet, heute lädt man sich eben eine Kopie aus dem Netz. Es ist im Endeffekt wie bei der Musik, die damals auch aufwändig von CD auf CD überspielt wurde, das Internet macht die Prozesse nur wieder einmal schneller und einfacher. Es gibt jedoch noch einen weiteren Sachverhalt, der die Gleichstellung des E-Book-Problems mit dem Musik-Problem verhindert.

Zweitens:

Die Größe der Märkte ist in keiner Dimension vergleichbar. Natürlich könnte man sagen, dass die Größe eines Marktes keinen Einfluss auf die Bewertung des Vergehens haben darf, aber in diesem Fall liegen die Dinge ein wenig anders. Währen die digitalen und analogen Musikplattformen mehr und mehr verschmelzen und der Schaden hier umspannend betrachtet werden muss, führen E-Books auch im Jahr 2011 ein Nischendasein. Zwar sind 35 Prozent der Verlage im Geschäft mit elektronischen Büchern aktiv, am Umsatz des Gesamtmarktes machen diese trotzdem nur etwa 0,5 Prozent aus. Wie ist das zu erklären?

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass sich sowohl Amazon mit dem Kindle als auch wieder einmal Apple mit iBooks auf dem iPad und iPhone sehr um die Digitalisierung der Buchbranche verdient gemacht haben und als klare Spitzenreiter in diesem Feld bezeichnet werden müssen. Gerade wenn es um seine Bücher geht, ist der Deutsche aber überraschen wertkonservativ und lauscht lieber dem dumpf knisternden Geräusch beim Umblättern der Seiten als dem Streichen seines Fingers über eine elektronische Geräteoberfläche. Und meiner Meinung nach ist dieser Wunsch nach ein bisschen Entschleunigung in einer mehr und mehr technisierten Welt, der sich im Festhalten am ältesten aller Medien ausdrückt, mehr als nur verständlich.

Gerade weil der Markt noch so klein ist, ließe sich das Problem mit den illegalen E-Book-Downloads aber auch auf innovativem Wege angehen. Die Verlage könnten Gratis-Versionen ihrer E-Books anbieten, die einerseits mit In-E-Book-Werbung finanziert werden, andererseits nur einen Vorgeschmack auf das komplette Buch bieten, ähnlich wie die Lite-Version einer kostenpflichtigen App, und mit einem Cliffhanger enden. Die Möglichkeiten des modernen Online-Marketings nutzt der gegenwärtige E-Book-Markt nämlich so wenig, wie die deutschen Leseratten ihn.

Kategorie: Advertiser, News

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1 Kommentar

  1. epagee sagt:

    Schöner Artikel, auf den Punkt getroffen.

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  • Emilio: Anni und Anna das Beste : ) Ich will ein mal für...
  • epagee: Schöner Artikel, auf den Punkt getroffen.
  • plista: Vielen Dank für Ihr Feedback “habiger”....

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