Interview mit Christian “Crispy” Bieber

Im zwölften Teil der Mitarbeiter-Interview-Reihe stellen wir heute Christian Bieber (29 Jahre alt) vor.

Christian Bieber

Crispy, was war der erste Berufswunsch, an den du dich erinnern kannst?
Das waren eigentlich richtig viele. Ich glaube, von Astronaut über Feuerwehrmann bis zum Polizist… Ich hab die ganze klassische Palette abgegrast!

Wie ging dein Weg von da an weiter und was hat dich zu plista verschlagen?
Tja, was hat mich zum Programmieren gebracht? Ich hab so mit 13 oder 14 meinen ersten Computern bekommen und dann erst mal die ganzen C64-Spiele gespielt. Plötzlich fragt man sich dann: Was steckt dahinter? Und dann wird die Sache interessant. Natürlich will man dann eine Ausbildung in dieser Richtung machen. In meinem Fall war das Industrieelektroniker, wo ich auch schon viel mit Rechnern zu tun hatte. Nach der Ausbildung habe ich mein Abitur nachgeholt und beschlossen, noch ein Studium draufzusetzen. Also habe ich angefangen, in Baden-Württemberg Medieninformatik zu studieren und wurde dann irgendwann, vielleicht durch das Hauptstadtflair, nach Berlin gezogen. Wenn man im Rahmen des Studiums dann ein Praktikum sucht, ist die Firma, die als erste antwortet, immer besonders wichtig. Das war plista und nach meinem Praktikum bin ich dann hier hängengeblieben.

„Hängenbleiben“ klingt sehr negativ.
Nein, ist es aber überhaupt nicht. Ich weiß, viele Leute haben diese Assoziation, aber es ist eher… Man lebt sich ein. Und da ich noch studiere, ist plista jetzt mein Nebenjob.

Wofür bist du bei plista zuständig?
Ich unterstütze unseren Torben. Dabei geht es um Algorithmen und Optimierung von Werbeauslieferung.

Und was schätzt du an der Arbeit in einem Startup?
Ich habe meine Ausbildung ja in einem großen Unternehmen gemacht und dort waren die Hierarchien halt sehr hoch. Hier sind es gerade die flachen Hierarchien, die den Unterschied machen. Egal, ob man Probleme oder Ideen hat, man weiß sofort, wen man ansprechen muss und kann sich auch sicher sein, dass das Anliegen nicht noch über zig Umwege geht. Das macht einfach Spaß. Die Leute sind auch offener für Ideen, das finde ich ziemlich cool und auch interessant.

Welche Relevanz haben soziale Netzwerke für dich?
Ich bin da relativ zwiegespalten. Ich bin bei Facebook angemeldet, nutze es auch gelegentlich, aber ich halte Abstand davon, zu posten, was ich jeden Tag mache. Das ist nicht mein Ding und zum Glück kann man ja auch die Leute ausblenden, die mich daran teilhaben lassen, wie lecker ihre Suppe zum Mittag war. Es ist halt sehr praktisch, um Kontakt zu Bekannten zu halten. Die Werbung bei Facebook ignoriere ich auch, da zählen andere Inhalte für mich.

Hast du konkrete Vorbilder in der Branche und wenn nicht, wer oder was inspiriert dich dann?
Vorbilder in dem Sinne hab ich nicht. Mich inspirieren eher Leute, die einen Weg haben und den auch gehen, auf diesem Weg aber trotzdem offen für neue Inhalte sind und sich dann auch trauen, von ihrem klaren Plan abzuweichen und vielleicht im Endeffekt doch was ganz anderes zu machen. Menschen, die bereit sind, andere Ideen zuzulassen, finde ich generell interessant. Es gibt ja auch Menschen, die eine Profession haben, aber zusätzlich an ganz vielen anderen Dingen interessiert sind und über den Tellerrand hinausschauen. Konrad Zuse zum Beispiel war ein absoluter Erfindergeist, hat sich nebenbei aber auch sehr für Kunst und Musik interessiert.

Du arbeitest jetzt durch plista in der Marketing-Branche. Hast du eine große Affinität zu Werbung, oder fühlst du dich eher durch sie gestört?
Nein, ich finde Werbung an sich sehr interessant und auch wichtig. Daher kann ich mich auch sehr mit dem Konzept von plista, Werbung interessenbasiert auszuliefern, anfreunden. Eine Abneigung gegen Werbung hab ich nur dann, wenn sie mich wirklich nervt. Man kann das auch nicht pauschalisieren, es kommt halt immer auf die entsprechende Werbung an. Es gibt Spots, die schau ich mir sehr gerne an und manchmal sucht man ja auch gezielt bei YouTube danach. Das ist teilweise auch mit Kindheitserinnerungen verbunden, früher war ja eine Werbung nicht so vergänglich wie heute, in den 80ern liefen manche Spots teilweise ein ganzes Jahr lang und das hat sich dann natürlich in deinen Kopf gebrannt. Fernet Branca oder McDonalds sind da zwei konkrete Marken.

Kennst du Andrew Keen und sein Buch „Die Stunde der Stümper“ (erste Web 2.0-Kritik)?
Die Hauptthesen sind, sehr grob gefasst, dass wir im Internet unsere Kultur zerstören würden, Wikipedia von Idioten für Idioten geschrieben sei und sich die beliebten Blogs in einer Spirale der Selbstzitation befinden, in der wirklicher Diskurs nicht nur nicht möglich sondern auch gar nicht erwünscht sei. Was hältst du von diesen Thesen?

Was die Zitationsspirale angeht, muss ich dem Mann vollkommen Recht geben. Das kann man gerade in den politikinteressierten Blogs beobachten. Da geht es wirklich nur darum, die eigene Meinung immer wiederzukauen und zu sagen: „Ich denke aber, dass…“, anstatt mal auf eine wirklich zitierbare Seite zu verweisen, das finde ich schon ein bisschen traurig.
Die Geschichte mit Wikipedia würde ich jetzt nicht so sehen. Wikipedia ist ein sehr interessantes Medium und ich verstehe auch nicht so ganz, wie man zu einer solchen Aussage kommt. Ich habe zumindest noch nie das Gefühl gehabt, dass ich gerade etwas offensichtlich Falsches auf Wikipedia lese. Meistens benutze ich Wikipedia ja auch nicht als einzige, umfassende Informationsquelle, sondern eher als Richtlinie zu einem Thema, das ich ausarbeiten möchte. Außerdem werden bei den meisten Artikeln ja wirklich zitationsfähige Werke als Quellen für die einzelnen Informationen angegeben.

Wie sieht für dich die Zukunft des Online-Marketing aus und welche Rolle könnte plista dabei übernehmen?
Ich bin der Meinung, die Zukunft des Online-Marketing sieht so aus, dass man die Interessen des Users schon gezielt kennen muss. Es ist unabdingbar, zu wissen, was den einzelnen User interessiert. Blinde Werbung mit größtmöglicher Reichweite herauszuschießen, wird früher oder später uninteressant werden. Viele Leute sind auch so gepolt, dass sie sich bewusst nicht von Werbung beeinflussen lassen wollen, aber wenn ich irgendwo Werbung für ein Produkt sehe, das mich wirklich interessiert, dann ist mir doch egal, ob es Werbung ist oder nicht. Es gibt ja auch ganze Internetportale, auf denen gezielt Lifestyleprodukte beworben werden, weil es einfach eine Zielgruppe für solche Dinge gibt. Die will auch nicht über den 10.000. DSL-Anschluss oder irgendwelche Versicherungen informiert werden, sondern eben über den neuen Mac oder ähnliche Dinge. Meiner Meinung nach muss Online-Marketing diese einzelnen Zielgruppen erkennen und die benutzer- und präferenzbasierten Systeme können nicht, sondern müssen und werden weiter ausgebaut werden.

Könntest du dir vorstellen, in einer gänzlich anderen Branche zu arbeiten?
Das kann ich mir nicht nur vorstellen, das ist mein Ziel! Ich bin jetzt 29 und bin mir sicher, dass ich mit 40 oder 45 nicht mehr als Programmierer arbeiten werde. Ich könnte mir vorstellen, dann ein Café oder einen Bauernhof oder etwas in der Richtung zu haben. Ich stell mir einen fünfzigjährigen Programmierer vor. Der hat keine Ideen mehr, keine Visionen und wird irgendwann von der Jugend überholt werden. Man kann sich zwar bis zu einem bestimmten Grad auf dem Laufenden halten, Fortbildungen machen, sich belesen, das geht alles, aber irgendwann fehlt meiner Meinung nach auch der Sinn für die neue Technik. Können deine Eltern einen DVD-Rekorder programmieren? Ich kann mich an die ersten Videorekorder mit Show-View erinnern, das war ja eigentlich total easy. Man musste auf die Show-View-Taste drücken, man musste diesen komischen Code, der in wirklich jeder Fernsehzeitung dabei war, eintippen, Kassette rein, fertig! Aber: Eltern waren nicht in der Lage dazu. Und man konnte ihnen das zigmal zeigen, ist ja auch eine Form von Weiterbildung, aber ich glaube, uns wird das auch irgendwann mal so gehen. Das ist wie eine Art Kurvenfunktion. Das eigene Technikverständnis ist anfangs voll gefüllt, dann steigt das Level der gesellschaftlichen Erkenntnis und man kann bis zu einem gewissen Punkt mithalten, das eigene Verständnis wird aber immer ein bisschen geringer. Irgendwann ist die Differenz zwischen dem Wissen der Gesellschaft oder dem Branchenwissen und dem, was du als Einzelner weißt, einfach zu groß. Spätestens dann würde ich es traurig finden, immer noch in der Szene zu sitzen. Deswegen ist es mein Ziel, später irgendwas Zeitloses zu machen, womit ich auch guten Gewissens alt werden kann. Dabei soll es dann auch nicht mehr um Profit gehen. Ideal wäre es, in den nächsten 15 Jahren so viel Geld zu verdienen, dass man eine Grundlage für die zweite Hälfte des Arbeitslebens hat.

Hättest du völlig freie Hand, wie würdest du deinen Arbeitsplatz gestalten?
Der Arbeitsplatz meiner Träume *lacht*! Zum ersten freie Zeiteinteilung. Ich möchte entscheiden können, wann ich meine Aufgaben erledige, da ich ein Mensch bin, der ab 20:00 Uhr erst so richtig aufblüht. Da kann ich dann so richtig arbeiten, hab meine Ruhe und kann auch viel besser denken. Zum zweiten könnte Ich mir auch gut vorstellen, in einer Bambushütte am Strand in kurzen Hosen und Flip-Flops zu arbeiten. Gerade die Internetbranche hat da ja den Vorteil, flexibel zu sein. Wir sind ja keine Krankenschwestern, die wirklich im Krankenhaus bei den Patienten sein müssen, sondern können halt von überall arbeiten. Die Bambushütte am Strand ist auch gar nicht so wichtig, großartig wäre wirklich die freie Einteilung von Zeit. Wenn man morgens um 10:00 Uhr anfängt, steht man meistens so gegen 08:30 Uhr auf und denkt sich oft, wie gut man noch liegen bleiben könnte. Ich glaube auch, selbst festzulegen, wann man am besten arbeiten kann, würde den kreativen Input fördern.

Zum Abschluss: Hätte plista ein Tier im Logo, für welches würdest du dich entscheiden?
Ich bin ja ein Katzenfreund. Und ich glaube, plista hat schon ziemlich viel von einer Katze. Erstens hat eine Katze ihren eigenen Kopf und eigene Ideen. Einem gut abgerichteten Hund sagst du, was er machen soll, und das macht er dann auch, bei Katzen ist das anders. Ich finde, die Eigenschaft, diesen eigenen Kopf zu haben, sich nicht an die Allgemeinheit anzupassen, noch einen draufzusetzen, das passt alles ganz gut zu plista. Katzen sind dann zweitens anschmiegsam und plista macht ja auch viel für seine Publisher und Advertiser, wenn die Probleme und Ideen haben.

Vielen Dank, Crispy!

Kategorie: plista - Das Team

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  • Emilio: Anni und Anna das Beste : ) Ich will ein mal für...
  • epagee: Schöner Artikel, auf den Punkt getroffen.
  • plista: Vielen Dank für Ihr Feedback “habiger”....

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