Interview mit Moritz Schmidt
Im sechsten Teil der Mitarbeiter-Interview-Reihe stellen wir heute Moritz Schmidt (28 Jahre alt) vor.

Moritz, was war der erste Berufswunsch, an den du dich erinnern kannst?
Ich glaube, Polizist! Total idealistisch, ja.
Was hat dich von diesem Berufswunsch zu plista verschlagen?
Ich bin nicht wegen der Marketing-Branche hier. Ich bin bei plista, weil es Spaß macht. Wie es dazu kam: Ich hab eine Ausbildung zum Fachinformatiker in Richtung Anwendungsentwicklung bei der HUP AG gemacht und ein Kumpel, der in der Zeit Praktikant hier war, hat mich angesprochen, sein Chef suche Programmierer. Programmieren konnte ich, also habe ich eine Woche hier auf Probe gearbeitet, es hat alles gepasst und nach der Ausbildung bin ich direkt zu plista gegangen.
Wofür bist du bei plista zuständig?
Hauptsächlich bin ich für das Widget zuständig, also für alles, was der Kunde sieht, für den Javascript-Code, der beim Partner eingebunden wird. Ich hab meine Finger aber auch in vielen anderen Sachen drin *lacht*!
Und was schätzt du an der Arbeit in einem Startup?
Man bekommt sehr schnell sehr viel Verantwortung übertragen. Einerseits ist das manchmal ein bisschen stressig, andererseits hat man eine Menge Freiheit. Es sind eben keine drei Ebenen Management zwischen dir und dem Kunden, die alle besser wissen, was du wie genau zu machen hat, sondern du kannst Entscheidungen selbst treffen. Außerdem lernt man sehr viel. Dadurch, dass die Firma z.B. keine so klar getrennten Büros hat und unser Administrator drei Meter von mir entfernt sitzt, lerne ich auch ein bisschen was über Administratoren und darüber, welchen Kummer und welche Sorgen die so haben.
Hast du irgendwelche Hobbies, die dich einzigartig machen?
Ich lese viel und fahr gerne Boot. Hier und da mach ich ein bisschen Musik, spiele Gitarre. Ich kann ganz gut singen und würde sagen, meine Interessen sind recht breit gestreut. Bei Musik ist Melodie für mich sehr wichtig. Die Musik muss melodisch klingen, ansonsten würde ich mich gar nicht auf eine Richtung festlegen, das kann von Metal bis Folk alles sein.
In welchen sozialen Netzwerken bist du angemeldet und welche Relevanz bzw. Glaubwürdigkeit hat Werbung dort für dich?
Ich bin aus historischen Gründen bei meinVZ angemeldet *lacht*. Das ist so ein bisschen die Plattform, um Kontakt mit Leuten zu halten, von denen man sonst gar nicht mehr wüsste, wo die gerade stecken und was die so machen. Bei Facebook war ich mal ein halbes Jahr, dann hab ich mich wieder abgemeldet, die ganze Fummelei mit der Privatsphäre war mir zu doof. Außerdem hatte es für mich keine wirkliche Relevanz. Die Leute, mit denen ich auf Facebook befreundet war, kannte ich auch so, mit denen konnte ich mich ja persönlich unterhalten, dafür brauchte ich die Plattform nicht. Ich hatte mal eine Phase, in der ich auch viel gechattet habe. Ich will jetzt nicht sagen, ich sei dafür zu alt geworden, aber dafür ist das Leben zu schade, persönliche Kommunikation ist einfach schöner. Werbung nehme ich aufgrund von Adblock gar nicht wahr *schmunzelt*.
Wer sind deine Vorbilder, was inspiriert dich?
Ich habe keine direkten Vorbilder. Rein fachlich gibt es Leute, die ich bewundere, weil sie echt gut sind, aber direkte Vorbilder, die so sind, wie ich unbedingt sein möchte, habe ich nicht.
Kennst du Andrew Keen und sein Buch „Die Stunde der Stümper“ (erste Web 2.0-Kritik)?
Die Hauptthesen sind, sehr grob gefasst, dass wir im Internet unsere Kultur zerstören würden, Wikipedia von Idioten für Idioten geschrieben sei und sich die beliebten Blogs in einer Spirale der Selbstzitation befinden, in der wirklicher Diskurs nicht nur nicht möglich sondern auch gar nicht erwünscht sei. Was hältst du von diesen Thesen?
Die These, dass die Blogs nur im eigenen Saft schwimmen und sich ständig selbst Recht geben, kann ich schon nachvollziehen. Im Endeffekt ist das aber nichts anderes, als im realen Leben auch. Da such ich mir meine Freunde, die mich bestätigen, die ich toll finde und die mich auch toll finden. Ich suche mir den Stammtisch, an dem meine Meinung geschätzt wird, oder wo ich mit den anderen konform gehe. Das Internet und die Blogs haben das gleiche Prinzip, da sie ja auch von Menschen gemacht werden, sind halt nur ein anderes Medium, dass für jeden zugänglich ist. Bei vielen Blogs geht es natürlich auch um Glaubwürdigkeit und einem Blog, hinter dem eine greifbare Person mit richtigem Namen steht, vertraue ich natürlich eher. Man ist ja ständig auf selektive Wahrnehmung geeicht und nimmt Blogs daher auch differenziert wahr. Außerdem kann die Wahrheit der vielen auch helfen, den Personenkult zu reduzieren.
Die Wikipedia-These ist kompletter Blödsinn. Es tummeln sich ja mittlerweile eine Menge Leute auf Wikipedia, die viel Ahnung haben. Es gibt auch diesen natürlichen Selektionsmechanismus. Die meisten Leute, die einen Artikel verfassen oder editieren, haben ja wirklich Ahnung vom Thema. Das merkt man dann auch an den langen Quellenverzeichnissen.
In welchen Momenten fühlst du dich durch Werbung genervt?
Werbung stört mich immer dann, wenn sie invasiv ist, wenn sie in den Vordergrund springt und mich anschreit. Alles was die Navigation behindert oder Sound hat, finde ich ganz fürchterlich.
Wie sieht für dich die Zukunft des Online-Marketing aus und welche Rolle könnte plista dabei übernehmen?
Ich denke plista geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Der Trend geht halt immer mehr zur Personalisierung und dahin, was den Kunden wirklich interessiert. Irgendwann sind wir dann bei Minority Report, wo die Kameras den Hauptcharakter überall mit dem Namen ansprechen *lacht*! Die Chance besteht, dass Werbung immer weniger aufdringlich wird.
Könntest du dir vorstellen, in einer völlig anderen Branche zu arbeiten?
Ja. Ich weiß nicht, ob ich als Programmierer alt werden will. Im Moment funktioniert das super für mich. Ich lerne was, ich hab Spaß an der Arbeit, es ist herausfordernd, man hat Erfolgserlebnisse. Ich könnte mir auch vorstellen, Musiker oder Förster zu sein *lacht*! Ich habe gerne meinen Bereich und pflege den bis zur Perfektion, daher würde die Försterei mich wahrscheinlich auch glücklich machen.
Hättest du völlig freie Hand, wie würdest du deinen Arbeitsplatz gestalten?
Ich würde ihn idealerweise nach draußen an die frische Luft verlegen. Und ich müsste mich gut bewegen können. Ansonsten geht es uns sehr gut mit den Arbeitsplätzen. Wir haben eine ganze Menge Freiheit, können uns an die Wand hängen, was wir wollen, Pflanzen hinstellen, barfuß durch die Gegend laufen… Der Natureffekt steht bei einem Arbeitsplatz im Freien natürlich im Vordergrund. Ich mag grün, grün ist beruhigend.
Zum Abschluss: Hätte plista ein Tier im Logo, für welches würdest du dich entscheiden?
Eine Ameise. Der ursprüngliche Gedanke von plista ist ja Collaborative Filtering. Du hast Millionen an Benutzern, die alle unterschiedliche Präferenzen haben. Du hast also diesen Schwarm an personenbezogenen Daten, die wir in den Datenbanken haben, als einzelne Cookies, mehr wissen wir von denen ja nicht *schmunzelt* und dieses Prinzip der vielen Benutzer symbolisiert die Ameise für mich.
Herzlichen Dank, Moritz!





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