Interview mit Christian Reiher
Im zweiten Teil der Mitarbeiter-Interview-Reihe stellen wir heute Christian Reiher (26 Jahre alt) vor.

Christian, was war der erste Berufswunsch, an den du dich erinnern kannst?
Astronaut! Astronaut, wie bei allen anderen. Ich meine, ich komme aus der DDR und Juri Gagarin wurde uns schon im Kindergarten vorgelebt. Ich fand das eigentlich auch ganz schön. Retrofuturistisch *schmunzelt*. Wir haben auch viele Bilder gesehen von Moskau und Berlin und das sah alles schon ziemlich so aus, wie man sich damals eben die Zukunft vorgestellt hat.
Wie wurdest du von dort zum Online-Marketing getrieben, bzw. gab es ein bestimmtes Ereignis, das dich diese Richtung hat einschlagen lassen?
Ich habe Informatik studiert, nachdem ich mich beim Abi entschieden hatte, mich nicht auf meine Musen (elektronische Musik und Malerei) zu stützen. Anschließend hab ich das Studium gewechselt und mit Spanisch, Ethik, Religionskunde und Psychologie weitergemacht. Mit dem Berufswunsch Lehrer hab ich fünf Jahre als Internatsbetreuer weitergearbeitet, um anschließend mit einem guten Freund einen eigenen Online-Empfehlungsdienst aufzumachen. Das lief ganz gut, bis wir uns dann fördern lassen wollten und sich der HTGF doch eher für plista entschieden hat. Logisch mit dem Background. Wir haben dann plista kontaktiert, uns mit denen zusammengesetzt und das lief sympathisch von der ersten Minute. Man sieht, ein sehr geradliniger Lebensweg *lacht*.
Wofür bist du bei plista zuständig?
Ich bin hauptsächlich für Front-End- und JavaScript-Geschichten zuständig und aktuell, so seit zwei Monaten, auch für Flash und vor allem für die Video-Engagements.
Und was schätzt du an der Arbeit in einem Startup?
Ein solches Startup wie plista hab ich bisher noch nicht kennengelernt. Ich hab zwar als Schüler schon einige Erfahrungen in der Medienbranche sammeln können. Das war auch sehr locker, aber vom Klima her doch etwas angestrengter, als ich das hier erfahren durfte. Unser eigenes Startup war halt damals mit fünf Mitarbeitern zu Hochzeiten sehr überschaubar. Was mich an plista fasziniert, ist, dass man mit wirklich gut spezialisierten Leuten, die privat aber auch einiges auf der Kirsche haben, zusammenarbeiten kann. Auch in stressigen Momenten kann man eben frei, produktiv und ergebnisorientiert arbeiten, ohne dass ausschließlich der Gedanke dahinter steht, nur möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit zu verdienen. Jeder kann sich in seinem Bereich verwirklichen und das find ich richtig gut.
Hast du irgendwelche Hobbies, die dich einzigartig machen?
Ich bin wahrscheinlich ein Universaldilettant in vielen Bereichen *lacht*! Ich lese wahnsinnig viel, von Ulysses bis Herrengedeck, schreibe auch gern, aber zurzeit mach ich wirklich viel Musik. Außerdem bastle ich für mein Leben gern Geräte. Ich habe letzten Sommer mit Freunden den ersten eigenen Soundrucksack fertig gebaut, mit dem man draußen ein ganze Menge Spaß haben kann (Anmerkung der Redaktion: Ein Soundrucksack hat integrierte Aktivlautsprecher und kann an der Steckdose aufgeladen werden.)!
Welche Relevanz hat Werbung in sozialen Netzwerken für dich?
Derzeit bin ich nur bei Facebook unterwegs, weil mir alles andere irgendwie zu spartenreich ist. Ich will jetzt nicht sagen, dass Facebook ein Must-Have ist, aber es ist relativ einfach und überschaubar. Werbung in sozialen Netzwerken fällt mir kaum auf und hat für mich auch aus geschäftlicher Perspektive keine Bedeutung.
Kennst du Andrew Keen und sein Buch „Die Stunde der Stümper“ (erste Web 2.0-Kritik)?
Die Hauptthesen sind, sehr grob gefasst, dass wir im Internet unsere Kultur zerstören würden, Wikipedia von Idioten für Idioten geschrieben sei und sich die beliebten Blogs in einer Spirale der Selbstzitation befinden, in der wirklicher Diskurs nicht nur nicht möglich sondern auch gar nicht erwünscht sei. Was hältst du von diesen Thesen?
Man sollte bei allen Sachen die Brille der Differenzierung aufsetzen. Jede These ist erst mal gut, aber natürlich gibt es zu jeder These, sofern sie sich denn überhaupt bestätigt, Ausnahmen. Ich selbst lese nur sehr wenige Blogs und finde dort auch viel zu häufig eine relativ reine Konsummentalität vor, in der echter Diskurs vielleicht schon deswegen nicht möglich ist, weil sich zu wenige Leute mit gegensätzlichen Argumenten einbringen. Trotz der vielen interaktiven Möglichkeiten wird das Internet von einem Großteil der Leute fast ausschließlich zur Entspannung genutzt. Viele begreifen es noch nicht als einen Teil, der mit einem arbeitet sonder nur als Teil, mit dem man selbst arbeitet.
Wikipedia ist natürlich immer nett, um schnell etwas nachzuschauen. Gott bewahre natürlich vor den Leuten, die mit diesem Wissen dann hausieren gehen. „Gefährliches Halbwissen“ war mal ein HipHop-Album, ist aber leider auch zum Common Sense geworden. Wenn einen etwas interessiert, darf man sich nie auf die eine oder andere Seite der Medien verlassen und muss schauen, warum welche Aussage zustande kommt.
Wie sieht für dich die Zukunft des Online-Marketing aus und welche Rolle könnte plista dabei übernehmen?
Dominik, Christian und ich haben da schon mal rumgesponnen. Ich glaube, dass sich Online-Marketing irgendwann im Offline-Markt widerspiegeln wird. Jeder Streifzug im Internet hinterlässt Spuren und ich könnte mir denken, dass man irgendwann aufgrund seiner Präferenzen im Netz bestimmte Produkte in einem ganz normalen Laden vorgeschlagen bekommt. Es wäre ein logischer Schritt, diese beiden Welten jetzt nicht immer mehr voneinander zu trennen, sondern auch wieder mehr miteinander zu verbinden und die Vorteile der einen Branche für die andere nutzbar zu machen.
Könntest du dir vorstellen, in einer gänzlich anderen Branche zu arbeiten?
Klar! Surfer. Meditationslehrer. Spaß beiseite, es wäre immer etwas, wo ich mich auf vielen Gebieten austoben kann, da ich ungerne eine Sache bis zum Exzess betreibe, sondern auch Abwechslung brauche.
Hättest du völlig freie Hand, wie würdest du deinen Arbeitsplatz gestalten?
Wie man sieht, hatte ich komplett freie Hand. Der Brunnen auf dem Tisch fehlt noch. Ansonsten habe ich Pflanzen und nette Leute um mich rum und sitze nicht direkt in der Mittagssonne. Eine Discokugel wär noch cool.
Zum Abschluss: Hätte plista ein Tier im Logo, für welches würdest du dich entscheiden?
Vielleicht eine Giraffe. Ein langer Hals und ein guter Blick von oben passen irgendwie ganz gut. Da sind die Krokodile, da geh ich nicht hin, das sind die anderen Giraffen, zu denen geh ich mal.
Herzlichen Dank, Christian!





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Krise, Krise…. Kosmonaut heißt dat doch!