Das Media Manifest der webguerillas
Wie würde eigentlich die Online Marketing Welt aussehen, wenn gar keine TKP Buchung möglich wäre? Meiner Meinung nach deutlich besser und vorallem messbarer als heut zu tage. Strategisch unkluge Entscheidungen resultieren meist, wenn keine oder zu wenig Zeit für kluge Überlegungen bleibt oder ungeeignete Personen relevante Entscheidungen treffen müssen. Mit dem Beginn des Internetzeitalters mitte der 90er, wurde relativ schnell in den darauf folgenden Jahren einfach die Strukur und das Abrechnungssystem des Printgeschäfts auf das Internet übertragen. Ein tragischer Fehler, wenn man es aus der heutigen Sicht betrachtet. Diese Messsysteme sind nur noch bedingt und stark eingeschränkt geeignet, um wirklich erfolgreich Werbekampagnen online durchzuführen.
Die Welt und Marktumgebungen ändern sich immer schneller. Der Zyklus von Produkten und deren Lebensdauer wird immer kürzer. Ein Beispiel hierfür sind die Werbeslogans von Autoherstellern. Vor wenigen Jahren konnte die Mehrheit ohne große Mühe Werbeslogans (z.B. Freude am fahren – BMW) von Autoherstellern den richtigen Marken zuordnen. Wer kann das heute noch? Kaum noch jemand. Früher hat die Mehrheit der Deutschen abends gemeinsam mit der Familie im Wohnzimmer gesessen und das gleiche Fernsehprogramm geschaut. Heute ist es genau das Gegenteil oder eine Kombination aus beiden Medien. Die Kinder und selbst auch die Erwachsenen sitzen immer häufiger und länger vorm PC oder Laptop und surfen im Internet. Der Fernseher läuft evtl. nebenbei im Hintergrund oder man schaut sich die Sendungen gleich im Web an. Die Marketing- und Kommunikationsstrategien sind einfach unzureichend für dieses Verhalten. Erst recht, wenn man sich intensiv mit dem heutigen Nutzerverhalten der Internetsurfer auseinandersetzt. Die typischen Faktoren TKP und Reichweite spielen im heutigen Web eine untergeordnete Rolle. Es wird Zeit für ein neues und nutzbares Messsystem, dass diese Faktoren berücksichtigt und eine transparente Lösung liefert.
Genau mit diesem Thema beschäftigen sich die webguerillas (Agentur) und der Inhaber David Eicher. Sie wollen diskutieren. Diskutieren darüber, was sinnvoll ist und wie solch ein neues Messsystem aussehen kann und sollte. An dieser Diskussion sollten nicht nur wir, sondern bestenfalls passende Vertreter von Verlagshäusern und relevanten Vermarktern ebenfalls teilnehmen und aktiv an einer Lösung mitarbeiten. Die 12 Thesen, die zur Diskussion stehen, sind folgende:
1.) Communities versus klassischer Content-Websites – Social Communities laufen den klassischen Medien, Content-Sites und Portalen aktuell in der Gunst der Nutzer den Rang ab. Traditionelles Werbeverhalten und bisherigen Media-Währungen verlieren damit an Wert.
2.) Werbesog statt Werbedruck – Eine hohe Zahl an Werbekontakten ist kein Erfolgsparameter. Künftig geht es darum, Konsumenten zu animieren, zu aktivieren und ihr jeweiliges, persönliches Netzwerk in Kampagnen mit einzubeziehen.
3.) Fangemeinde statt Zielgruppe – Die klassische Zielgruppe gibt es nicht mehr. Benötigt wird ein Verfahren, das Markenfans milieuübergreifend sicher identifiziert.
4.) Aktivitätsverlust statt Streuverlust – Der Begriff „Streuverlust“ ist überholt. Grundlage ist künftig der individuelle Dialog mit dem Konsumenten.
5.) Tausend-Gesprächs-Preis statt Tausend-Kontakt-Preis – Der TKP sagt nichts über das Aktivierungspotenzial der Konsumenten aus. Dieses misst künftig der Tausend-Gesprächs-Preis als ein Parameter für den aktiven Dialog.
6.) Gross-Involvement statt Gross-Rating-Point – Es reicht nicht aus, den durchschnittlichen Werbedruck zu messen, im Web 2.0-Zeitalter kann auch die tatsächliche Werbewirkung ermittelt werden.
7.) Always on statt Einschaltquote – Jüngere Zielgruppen sehen TV immer öfter (nicht linear) übers Netz. Zeitgleich vernetzen sie sich in Communities und lesen die neuesten Nachrichten. Für diesen „Always on“-Modus bedarf es einer neuen Messgröße.
8.) Involvieren statt rezipieren – Der aktive Medienkonsument im Lean-forward-Modus ersetzt zunehmend den trägen Couch Potatoe.
9.) Marken-Content versus Medien – Content Die klassische Medienlandschaft löst sich auf: Brands und Blogger konkurrieren mit redaktionellen Content-Sites um die Aufmerksamkeit der User.
10.) Echtzeit-Monitoring statt Reichweiten-Umfrage – Die derzeitigen Reichweiten-Umfragen sind im Web2.0-Zeitalter ein Anachronismus. Sie führen zu einer unzureichenden Darstellung der Mediennutzung und müssen durch ein ganzheitliches Echtzeit-Monitoring ersetzt werden.
11.) Globales Dorf statt Nielsen-Gebiete – Die Einteilung der Deutschland-Karte nach Nielsen-Gebieten entspricht dem Postkutschen-Zeitalter. Es bedarf Einteilungen und Messgrößen, die dem kosmopolitischen Weltbild entsprechen.
12.) Markenbotschafter versus Werbeträger – Die in den klassischen Medien geschalteten Werbebotschaften verlieren weiter an Akzeptanz. Stattdessen berichten Multiplikatoren im Netz authentisch über ihre Markenpräferenzen.
Ich freue mich auf eine hoffentlich spannende und lehrreiche Diskussion. Hier gehts zum Weblog der webguerillas.





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